ADS – Kinder

A D S

„Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ was ist das?
Behinderung oder Bereicherung?
Macht ADS schulunfähig?

 
Aufmerksam sein heißt die Gegenstände, Geräusche, Gerüche, Menschen, gesprochene Worte… erkennen und das für den Moment Richtige daraus zu folgern, zum Beispiel im Verkehr die rote Ampel zu sehen und anzuhalten. In der Fachsprache heißt das: einen Schlüsselreiz herausfiltern und situationsadäquat zu reagieren. Kinder sehen vielleicht dem Freund auf der gegenüberliegenden Straße und wollen hinlaufen; Eltern kennen das und passen auf, sie schenken ihrem Kind in dem Augenblick ihre eigene Aufmerksamkeit, bis das Kind das nicht mehr braucht.
 
 
Bis ein Mensch gelernt hat, auf alles zu achten, was für ihn wichtig ist, vergehen Jahre, Jahrzehnte; was wichtig genommen wird, verändert sich ja auch während des Lebens. Es gibt Menschen, die lernen schnell, andere, die lernen langsam. Wen einen‘ etwas interessiert, lernt er besonders schnell. Und es gibt Menschen, die lernen besonders schlecht, Wenn sie innerlich nicht beteiligt sind, dazu nicht motiviert sind. Die sehen alles andere als das, was sie sollen. Die können, wenn sie wollen, geschickt sein wie ein Jäger, aber immerwiederkehrende gleiche Arbeiten lassen sie „einschlafen“. Von diesen Menschen sagt man, sie haben ein Aufmerksamkeitsdefizit. Oder sie können sich nicht steuern, manchmal sind sie extrem impulsiv, sie sind leicht reizbar und bereuen ihr Verhalten im nächsten Augenblick.
 
 
Vom Kurzeitgedächtnis wird anders als meist üblich ins Langzeitgedächtnis abgespeichert, vieles wird „vergessen“ die Verknüpfung mit bereits Bekanntem funktioniert nicht. Altes, schon Erlebtes oder Gelerntes kann nicht abgerufen werden. Die Folge: das Leben im Hier und Jetzt. Spontaneität ist ein Kennzeichen. Diese Kinder lernen etwas 8-16 mal so mühsam als „normale“, sogenannte normgesteuerte, Kinder. Mit der Methode der Positronen-Emissions-Tomographie lässt sich eine geringere Durchblutung im Frontalhirn zeigen. Ursache scheinen spezielle Eiweißverbindungen zu sein, die im synaptischen Spalt Reize einfach nicht weiterleiten. So kommt es, dass, wenn der Lehrer sagt: „Holt das Mathebuch raus, Seite 57, Aufgabe 3“, vielleicht noch das Mathebuch rausgeholt wird, aber was noch zu tun war, weiß der Schüler nicht mehr, er fragt, damit stört er schon.
 
Die Kinder deren Hauptproblem die Müdigkeit ist, benutzen unterschiedliche Wege, um sich zu stimulieren, sie zappeln wie der Zappelphillip im Struwwelpeter oder wackeln mit dem Knie, kauen an den Nägeln oder ähnliches. Diejenigen, die damit sehr auffallen, werden als hyperaktiv bezeichnet, das sind eher Jungen, diejenigen, die das mehr in sich machen, sich Geschichten erzählen, sich zurückziehen, eher durch das Ruhige auffallen, als hyperaktiv, das sind prozentual eher Mädchen..
 
 
Bis zu 15 Genorte sollen verantwortlich sein für diese bei jedem Betroffenen anders ausgeprägte Neurotransmitterstörung. Mal ist vor allen der Nervenbotenstoff Adrenalin betroffen, mal mehr das Serotonin und das Nordadrenalin. Vererbt wird es mehr über die Väter. Ob, wann und wie es sich entwickelt und warum es zum Beispiel beim einen eineiigen Zwilling besteht, beim anderen, getrennt aufgewachsenen, nicht, darauf weiß die Forschung noch keine abschließende Antwort. „Geordnete Verhältnisse“ taucht wohl als Variable auf. Oft werden im Zusammenhang mit dieser Art der besonderen Lernstörung Legasthenie, Dyskalkulie und Tic-Störungen beschrieben. Das heißt, wer aufmerksamkeits-, also erinnerungs-, beziehungsweise lerngestört oder -erschwert ist, kann Probleme mit der Rechtschreibung und dem Rechnen haben (manchmal nehmen Kinder ein Medikament dafür ein, damit ihr Gedächtnis einmal so funktioniert, dass sie sich das kleine Einmaleins einprägen können und sie nicht in die Sonderschule abgeschoben werden können, denn sie sind normal intelligent).“
 
 
Das normale Alltagsleben wird zum Albtraum, weil die einfachsten Sachen nicht „automatisiert“ sind. Um harmlos zu bleiben: Aufstehen, Waschen, Anziehen kann dann ein acht jähriges Kind nicht alleine, ohne immer wieder daran erinnert zu werden, was als nächstes dran ist, weil es sich zwischendurch immer wieder in ein Buch, versenkt, von dem es aber auch nicht unbedingt etwas behält, also dicht über die pure Unterhaltung hinausgeht. Um sich wach zu halten wird Streit mit Geschwistern gesucht. Die Übergänge vom Normalen zum Ungewöhnlichen sind fließend und je nach Zustand wechselnd. Vieles gehört zum üblichen Elternalltag, aber wenn aus Erfahrung nicht gelernt wird, dann ist das ein Alarmzeichen. Wenn diese Schwierigkeit bekannt ist, dann greifen Eltern intuitiv zu anderen Mitteln. Dann merken sie, dies Kind kann sich wunderbar Entschuldigungen ausdenken, es ist kreativ, es ist hilfsbereit, es ist, wenn es angesprochen wird da, aber wenn es etwas tun soll, was es nicht will, kriegt man es eben nur mit einer vom Kind gewünschten Belohnung hin. Wenn Mutter und Vater so ein Kind haben, dann brauchen sie ein wenig Erziehungskunst und Erfindergeist, für immer neue Möglichkeiten, wie sie aus ihrem Kind das erwünschte Verhalten herauslocken. Die Belohnung ist in der Regel ein Kind, das für ein Lob beinahe alles tut. Diese Kinder erleben viel Frust, es ist ungeschickt, in seiner Entwicklung oft um zwei bis drei Jahre zurück. Diese Kinder werden oft ausgegrenzt, auch von Lehrern in Schulen verkannt.
 
Dem gilt es einen Gegenpol zu schaffen, das Kind allein vermag es oft nicht. Bei Untersuchungen von Jugendlichen Erststraftätern hat fast die Hälfte ein ADS. Häufig landen ADS’ler in der Drogenszene oder werden psychisch auffällig. Menschen mit ADS scheinen sich anzuziehen, leider gehen solche Partnerschaften oft kaputt, wenn nicht rechtzeitig erkannt wird, was beiden zusetzt, beispielsweise durch eine Messie-Selbsthilfegruppe. Wegen dieser möglichen Folgen lohnt sich Einsatz der Eltern in Kindheit und Jugend damit es Kind und Eltern gut geht.
 
 
Ich kämpfe oft mit mir in der Beantwortung der Frage, ob ADS vielleicht sogar eine Art am Menschen äußerlich nicht sichtbarer Behinderung ist, dann hätten doch die betroffenen Menschen erst recht Anspruch auf eine besondere Halt.1wendung, eine für sie passende Art der Wissensvermittlung, wie sie in, Bann schon geschaffen wurde oder, ob ADS sogar ausschließlich Bereicherung ist, und ich diejenige, die hier einfach noch viel lernen darf übers Menschsein. Das geht mir durch den Kopf, wenn ich im erschöpften Moment, weil ich ausgerastet bin, weil dies und jenes von mir wohl noch nicht gut genug eingetrichtert war. Und dann, wenn ich zugeben muss, dass es mir schon widerstrebt, dasselbe zweimal zu sagen, Sachen, die der Andere doch schon ohne ein Wort zu hören selbst erfühlen sollte. Vielleicht habe ich an dieser Stelle selbst ein ADS, dass, mir dasselbe eben keinen neuen Reiz gibt, den ich selbst zum Wachbleiben brauche. ADS ist nicht Lernunfähigkeit, auch wenn es manchmal den Anschein erweckt. Ob etwas getan wird, liegt am Antrieb, an der Motivation. Der muss manchmal künstlich durch eine Belohnung angekurbelt werden. Ob gelernt wird, liegt an der Zahl der Wiederholungen. Damit ein breiter Trampelpfad im Gehirn entsteht. ADS ist nicht Schulunfähigkeit, obwohl es viele Schulen gibt, die ADS-Kinder aussondern, weil rein zeitlich zu wenig körperliche Bewegungsmöglichkeit eingeplant ist, so dass die Neurotransmitterproduktion bei diesen acht Prozent Kindern nicht einmal minimal läuft. ADS braucht Lehrer, die den Kindern sympathisch sind. Denn ihr Vegetativum ist besonders störanfällig. Sein Hauptbotenstoff ist nämlich das Adrenalin. Wenn das durch Stress vermehrt ausgeschüttet wurde, hat das Kind seine Vorräte erschöpft und das System der Körperfunktionen, die wir nicht steuern können, bricht zusammen.
 
 
Was ein Kind mit ADS braucht, ist für alle Kinder gut. Und wenn ein Kind in einer Schule, nichts davon vorfindet, was es benötigt, kann es darin nicht funktionieren, dann sollte eine Familie sich zum Wohle ihres Kindes davon verabschieden.
 
 
Was ich geschrieben habe entspricht meinem Wissensstand, wer es besser weiß, möge mich bitte berichtigen.

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