Fam G

Familiengericht: Eine Einführung

 

FamRZ 1998

877

Neue Zuständigkeiten des Familiengerichts ab 01.07.1998


Von Bernd Kunkel, Richter am OLG Hamburg

Auf dem Weg zum großen FamG wurde der Zuständigkeitskatalog der §§ 23b GVG, 621 ZPO durch das Kindschaftsrechtsreformgesetz (KindRG) wesentlich erweitert 1). Elterliche (elterl.) Sorge und Umgang sind umfassend dem FamG anvertraut. Für das VormG bleiben die Bereiche Adoption, Vormundschaft und Betreuung. Die Klärung der Abstammung sowie alle gesetzlichen Unterhaltspflichten einschließlich derjenigen gegenüber dem nichtehelichen (ne.) Elternteil sind dem FamG anstelle der bisher zuständigen allgemeinen Prozeßabteilung des AmtsG zugewiesen. Der Rechtsmittelzug zum OLG umfaßt auch die dem FamG neu übertragenen Bereiche. In der Übergangszeit und sogar vom Prinzip der formellen Anknüpfung in § 119 Nr. 1 GVG abgewichen: Zum Familiensenat des OLG gelangen auch Rechtsmittel gegen Entscheidungen, die nach dem 01.07.1998 noch von dem bisher zuständigen VormG oder der allgemeinen Prozeßabteilung getroffen worden sind.
 
Für die Familiensachen ist der Rechtspfleger entweder nach der Positivliste des § 3 Nr. 2a RIMIG zuständig, sofern die Sachen nicht ausdrücklich durch § 14 RIMIG dem Richter vorbehalten sind. Die Richtervorbehalte müssen als Ausnahmevorschriften eng ausgelegt werden.
 
1. Neue FGG-Familiensachen

Elterl. Sorge, Umgang und Herausgabe eines Kindes, für das die elterl. Sorge besteht, und umfassend dem FamG zugewiesen wurden, ohne daß zwischen ehelichen (ehel.) und ne. Kindern unterschieden wird (§ 23b 1 S. 2 Nrn. 2-4 GVG §´621 Nrn. 1-3 ZPO). Diese Komplexe werden z.B. im Rahm/Kunkel 2) als „Kindschaftsrechtliche Regelungen“ oder als „Kindersachen“ bezeichnet. Unter „Kindschaftssachen“ versteht das Gesetz hingegen Verfahren, in denen es um die Abstammung des Kindes geht (§ 641 II ZPO; § 23b S. 2 Nr. 12 GVG, § 621 I Nr. 10 ZPO). Neue Zuständigkeiten enthält auch das Eheschließungsrechtsgesetz (EheschlRG) 3).
 
Folgende Zuständigkeiten aus dem Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit und (vorwiegend) vom VormG auf das FamG übergegangen (vgl. auch Art. 1 Nr. 46 KindRG):
 

  • Befreiung vom Erfordernis der Volljährigkeit bei der Eheschließung (§ 1303 II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I 18 RPflG).
     
  • Befreiung vom Eheverbot der durch die Annahme als Kind begründeten Verwandschaft (§ 1308 II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 18 RPflG.)
     
  • Genehmigung einer ohne Befreiung vom Erfordernis der Volljährigkeit vorgenommenen Eheschließung (§ 1315 I S. I Nr. 1 BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 18 RPflG.
     
  • Feststellung oder Anfechtung der Vaterschaft nach dem Tod der Partei, die zu verklagen gewesen wäre (§ 1600 a II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 3 RPflG).
     
  • Ersetzung der elterl. Unterhaltsbestimmung (§ 1612 II S. 2 BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2a RPflG).
     
  • Übertragung des Namensbestimmungsrechts (§ 1617 II BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Ersetzung der Einwilligung in die Namensänderung (§ 1618 BGB, Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Ersetzung der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters eines beschränkt geschäftsfähigen Elternteils zu einer Sorgeerklärung (§ 1626 c II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 9 RPflG).
     
  • Übertragung des Entscheidungsrechts bei gemeinsamer Sorge (§ 1628 I BGB, Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 5 RPflG),
     
  • Entzug der Vertretungsmacht eines Elternteils (§ 1629 II S. 3 BGB, Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG, da es nicht um Meinungsverschiedenheiten geht).
     
  • Streit zwischen Pfleger und Eltern (§ 1630 II BGB, Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 5 RPflG 4).
     
  • Übertragung von Sorgeangelegenheit auf die Pflegeperson (§ 1630 III BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 6 a RPflG).
     
  • Unterstützung der Eltern bei Personensorge (§ 1631 III BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Unterbringung des Kindes mit Freiheitsentziehung (§ 1631 b BGB, Richtervorbehalt, § 4 II Nr. 2 RPflG).
     
  • Verlangen der Hersuagabe des Kindes von Dritten (§ 1612 I BGB;) und Herausgabe der Sachen des Kindes nach § 50 d FGG (Richtervorbehalt, § 14 Nr. 7 RPflG).
     
  • Streit über Umgang des Kindes mit Dritten (§ 1632 II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 16 RPflG).
     
  • Anordnung des Verbleibens des Kindes bei Pflegeperson (§ 1632 IV BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 7 RPflG).
     
  • Einreichung des Vermögensverzeichnisses; Anordnung anderweitiger Aufstellung des Verzeichnisses (§ 1640 I, III BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Genehmigung von Rechtsgeschäften (§§ 1643, 1644, 1645 BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Maßnahmen bei Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB (Richtervorbehalt § 14 I Nr. 8 RPflG).
     
  • Maßnahmen bei Gefährdung des Kindesvermögens (§ 1667 BGB, Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Sorgerechtsänderungen nach gemeinsamer Sorgeerklärung nicht verheirateter Eltern (§ 1671 BGB, Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 15 RPflG).
     
  • Sorgerecht zugunsten des nicht mit der Mutter verheitateten Vaters (§ 1672 BGB, Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 15 RPflG).
     
  • Feststellung, daß elterl. Sorge ruht bzw. nach Ruhen wiederaufgelebt ist (§ 1674 I, II BGB, Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Übertragung der elterlichen Sorge auf Vater, wenn elterl. Sorge der ne. Mutter nicht wiederaufleben kann (§ 1678 II BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 15 RPflG).
     
  • Übertragung der elterl. Sorge auf den überlebenden Elternteil (§ 1680 II BGB); Rückübertragung, wenn der Elternteil nur vermeintlich tot war (§ 1681 BGB); Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 15 RPflG).
     
  • Anordnung des Verbleibens bei dem Stiefelternteil (§ 1682 BGB, Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 7 RPflG).
     
  • Vermögensverzeichnis bei Wiederheirat (§ 1683 I, II, III BGB, Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Umgangsrecht auch der ne. Kinder (§ 1684 BGB) sowie von Großeltern, Geschwistern, Stiefeltern, Pflegeeltern (§ 1685 BGB); Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 16 RPflG;
     
  • Streitigkeiten über das Auskunftsrecht des nichtsorgeberechtigten Elternteils (§ 1686 BGB). Der Rechtspfleger ist zuständig (§ 3 Nr. 2 a RPflG), da § 1686 BGB in § 14 I Nr. 16 RPflG nicht genannt wird.
     
  • Einschränkung und Ausschluß der Sorgebefugnisse in Angelegenheiten des täglichen Lebens (§§ 1687, 1687 a BGB; Richtervorbehalt, § 14 I Nr. 16 RPflG).
     
  • Einschränkung und Ausschluß der Vertretungsbefugnisse von Pflegeeltern (§ 1688 BGB). Die Bestimmung wird in § 14 I Nr. 16 RPflG nicht genannt; daher ist nach § 3 Nr. 2 a RPflG der Rechtspfleger zuständig.
     
  • Eingreifen des FamG bei Verhinderung der Eltern (§ 1693 BGB; Rechtspfleger, § 3 Nr. 2 a RPflG).
     
  • Abänderungsverfahren (§ 1696 BGB). Die funktionelle Zuständigkeit (Richter oder Rechtspfleger) richtet sich nach dem Erstverfahren.
     
  • Auswahl und Bestellung von Pflegern und Vormündern, soweit das FamG eine Pflegschaft oder Vormundschaft angeordnet hat (§ 1697 BGB). Nach § 6 RPflG wird der Richter auch die Auswahl des Vormunds oder Pflegers übernehmen, kann sie aber auch dem nach § 3 Nr. 2 a RPflG zuständigen Rechtspfleger überlassen.Unterhaltsklagen von (und gegen) ne. Kinder einschließlich der Abänderungsklagen und des einstweiligen Rechtsschutzes nach § 1615 a BGB und § 641 d ZPO sowie
    • 1) Siehe hierzu auch Büttner. Änderungen im Familienverfahrensrecht durch das Kindschaftsrechtsreformgesetz. FamRZ 1998, 587
    • 2) Rahm/Kunkel. Handbuch des Familiengerichtsverfahrens, Kap. III bzw. Kap X
    • 3) BGBI 1998 1833
    • 4) Munch/Komm/Hinz, BGB. 3. Aufl. § 1630 Fa. V.
    • 5) § 1671 BGB ist auch Rechtsgrundlage für Sorgerechtsanträge getrennt lebender oder geschiedener Ehegatten, da über das Sorgerecht im Scheidungsverfahren nicht mehr von Amts wegen entschieden wird (§ 623 ZPO)Hauptrechtsmittel in den neuen FGG-Familiensachen ist nicht mehr die einfache Beschwerde nach § 19 FGG, sondern die befristete Beschwerde nach § 621 e ZPO 4), wie sich aus § 621 a I ZPO ergibt, der die FGG-Vorschriften- und damit auch den § 19 FGG- nur für anwendbar erklärt, soweit sich aus der ZPO aus dem GVG nichts Besonderes ergibt. Eine Sondervorschrift ist § 621 e ZPO, der vom Wortlaut her sogar alle FGG-Entscheidungen erfaßt, nach seinem Zweck aber nur für die Entscheidungen gilt, die im Falle ihres Erlasses in einem zivilprozessualen Verfahren in der Form eines Urteils ergehen würden. Entscheidungen in den selbständigen Zusatz- und Nebenverfahren wie Prozeßkostenhilfeverfahren, Anordnungsverfahren und Vollstreckungsverfahren nach § 33 FGG gehören nicht hierzu 7). Gegen solche Entscheidungen findet weiter die einfache Beschwerde nach § 19 FGG statt.2. Neue ZPO – Familiensachen

      Streitigkeiten, die die durch Verwandtschaft begründete gesetzliche Unterhaltspflicht betreffen, fallen umfassend in die Zuständigkeit des FamG (§ 23b I S. 2 Nr. 5 GVG = § 621 I Nr. 4 ZPO). Darunter fallen zusätzlich zu den Klagen ehel. Kinder gegen ihre Eltern:

  •  
  • der Unterhalt von Eltern gegen Kinder und Kinder gegen Großeltern (und umgekehrt).
     
  • Die Klage des ne. Elternteils auf Betreuungsunterhalt und Entbindungskosten (§ 1615 I BGB) ist ebenfalls den FamGer. zugewiesen (§ 23b I S. 2 Nr. 13 GVG = § 621 I Nr. 11 ZPO).
     
  • In allen Unterhaltsverfahren sind jetzt einstweilige Anordnungen möglich (§ 644 ZPO).
     
  • Der Rechtspfleger des FamG ist gemäß § 20 Nr. 10 RPflG i.d.F. des Kindesunterhaltsgesetzes (KindUG)*) zuständig für die Verfahren zur
     
  • Festsetzung von Unterhalt nach dem §§ 645 bis 650 ZPO (Festsetzung bis zum 1,5-fachen der Regelbeträge im vereinfachten Verfahren);
     
  • Abänderung von Vollstreckungstiteln nach § 655 I bis IV, VI ZPO bezüglich der Anrechnung von Kindergeld;
     
  • Festsetzung von Unterhalt und Abänderung von Unterhaltstiteln nach Art. 5 §§ 2 und 3 des KindUG (Abschluß laufender Verfahren nach altem Recht und Umstellung von Alttiteln in Regelbetragstitel, um eine fortlaufende Dynamisierung zu ermöglichen).
     

 
Kindschaftssachen nach § 640 II ZPO sind Verfahren, welche zum Gegenstand haben:
 

  • die Feststellung der Vaterschaft oder die Wirksamkeit eines Vaterschaftsanerkenntnisses (Nr. 1);
     
  • die Anfechtung der Vaterschaft (Nr. 2); unter diesen Begriff fallen sowohl die Anfechung der Vaterschaftsanerkennung als auch der Ehelichkeit;
     
  • die (selten praktische) Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens der elterl. Sorge der einen Partei für die andere (Nr. 3); Verfahren nach § 1671 BGB sind nicht gemeint.
     

 

 
3. Übergangsvorschriften zum 1.7.1998
 
Für die Übergangszeit vom 1.7.1998 bis längstens 30.6.2003 ergibt sich die Zuständigkeitsabgrenzung zwischen FamG, VormG, Prozeßabteilung und den Rechtsmittelgerichten für das Sorge-, Abstammungs- und Unterhaltsrecht aus Art. 15 §§ 1 und 2 KindRG. Besondere Übergangsvorschriften für Kindesunterhaltsverfahren enthalten Art. 5 §§ 2 und 3 KindUG, um möglichst vielen Kindern zu dynamischen Unterhaltstiteln zu verhelfen. Die Übergangsvorschriften zum neuen materiellen Recht ergeben sich aus dem EGBGB, nämlich aus Art. 223 EGBGB für das Beistandschaftsgesetz und aus Art. 224 EGBGB für die Abstammung (dort § 1), die elterl. Sorge (§ 2) und den Kindesnamen (§ 3). Soweit in Übergangsvorschriften nichts anderes bestimmt ist, sind ab 1.8.1998 in bereits anhängigen Verfahren sowohl das neue materielle Recht als auch das neue Verfahrensrecht anzuwenden.
 
a. Art. 15 KindRG

Anders als beim Inkrafttreten des 1. EheRG findet bis zum 30.6.1003 (vgl. Art. 17 § 2 KindRG) keine Verfahrensüberleitung auf das FamG statt. Das Gericht, bei dem am 1.7.1998 ein Verfahren nach § 621 N Nrn. 1 bis 4, 10 und 11 ZPO betreffend Sorgerecht, Umgangsrecht, Herausgabe, Kindesunterhalt, Abstammung, Betreuungsunterhalt anhängig (nicht rechtshängig!) geworden ist, bleibt weiterhin zuständig (Art. 15 § 1 I KindRG). Eine besondere Regelung war notwendig, weil der Grundsatz der perpetuatio fori *) zwischen zwei Spruchkörpern desselben Gerichts nicht gilt. Abweichend von § 23b III S. 2 GVG dürfen auch Richter auf Probe in ihrem ersten Tatigksitsjahr die zu Familiensachen gewordenen Verfahren abschließen.
 

 
Für die Rechtsmittelzulässigkeit und -zuständigkeit ist gemäß Art. 15 § 1 II Kind RG zu unterscheiden zwischen Verfahren, in denen

  • (1) die Entscheidung nach dem Inkrafttreten des KindRG (1.7.1998) ver- kündet oder an Stelle einer Verkündung zugestellt oder -in den FGG-Sachen (§ 16 FGG)- bekanntgemacht worden ist und
     
  • (2) den übrigen Verfahren.
        In den zu (1) genannten Fällen -Verkündung oder Bekanntgabe nach dem 30.6.1998- sollen, auch wenn sie nicht in erster Instanz vom FamG entschiedenworden sind, für die Berufungen und die Beschwerden die OLGe (§ 119 I Nrn. 1 und 2 GVG) sowie für die Revisionen und weiteren Beschwerden der BGH (§ 133 Nr. 1 GVG) zuständig sein (Art. 15 § 1 II S. 3 KindRG).
        In allen übrigen Verfahren (2), in denen die Verkündung oder Bekanntgabe vor dem 1.7.1998 liegt, sind die bisherigen Regelungen über die Zulässigkeit von Rechtsmitteln und die Zuständigkeit für die Verhandlung und Entscheidung über Rechtsmittel weiterhin anzuwenden (Art. 15 § I II S. 1 und 2 KindRG). Ein Verfahren, das sich am 1.7.1998 bereits in der Rechtsmittelinstanz befindet, wird also nicht an den Familiensenat des OLG abgegeben. Ist in Unterhaltssachen die Entscheidung der Prozeßabteilung des AmtsG vor dem 1.7.1998 die Rechtsmittelfrist noch, gelangen die Berufungen und Beschwerden weiterhin an das LG (§§ 23a, 72 GVG). Ein weiteres Rechtsmittel kommt in diesen Verfahren nicht in Betracht.
        In Art. 15 § 2 KindRG ist die Fortführung bestimmter Verfahren geregelt. Wichtig ist die Behandlung der Folgesachen Sorgerecht. Ab 1.7.1998 fällt nur noch der Versorgungsausgleich ohne Antrag in den Verbund (§ 623 I S. 3 ZPO), während auch über das Sorgerecht nur noch auf Antrag eines Elternteils im Verbund entschieden wird (§ 623 II Nr. 1 ZPO), sofern es sich nicht um ein Verfahren nach § 1666 BGB wegen Gefährdung des Kindeswohls handelt (§ 623 III ZPO). Nach Art. 15 § 2 I IV KindRG ist eine am 1.7.1998 anhängige Folgesache Sorgerecht als in der Hauptsache erledigt anzusehen, wenn nicht bis zum Ablauf von drei Monaten nach dem 01.07.1998 ein Elternteil beantragt hat, daß ihm das FamG die elterl. Sorge oder einen Teil davon allein überträgt. Diese Voraussetzung kann auch erfüllt sein, wenn ein eindeutiger Antrag auf Alleinsorge schon vor dem Inkrafttreten des KindRG gestellt worden ist *).

b) Art. 5 KindUG
 
Unterhaltsverfahren, die am 1.7.1998 anhängig sind, können nach altem Recht fortgesetzt werden. Der Klageantrag kann aber -evtl. durch Wiedereröffnung der Verhandlung- dem neuen Recht angepaßt werden, um einen dynamischen Unterhaltstitel zu erlangen (Art. 5 § 2 KindUG). Alttitel können ab 1.7.1998 in einem vereinfachten Beschlußverfahren vor dem Rechtspfleger in dynamische Regelbetragtitel umgestellt werden (Art. 5 § 3 KindUG). Da die nächsten Anpassung der Regelbeträge zum 1.7.1999 erfolgt (§ 1612a IV S. 1 BGB), hat die Praxis genügend Vorlaufzeit. Auf Unterhalt für die Zeit vor Inkrafttreten des KindUG bleibt das bisherige Recht anwendbar *).
 

  1. * Rahm / Kunkel (Fn. 2) Kap. VII Rz. 350
     
  2. * Rahm / Kunkel (Fn. 2), Kap. VII Rz. 392 ff.
     
  3. * BGB 1998 I 666
     
  4. * Rahm / Kunkel (Fn. 2) Kap. II Rz 56
     
  5. * Begründung des Regierungsentwurfs, BT-Drucks. 13/4899 S. 146
     
  6. * BGH, FamRZ 1998, 426, 427 = FuR 1998 129, 131
     

 

 
Gerhard Richter zum 70. Geburtstag
 
Am 25.05.1998 konnte Dr. Gerhard Richter, Leitender Ministerialrat im Justizministerium des Landes Baden-Württemberg a.D. seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Für die FamRZ ist dies ein willkommener Anlaß, an die hohen Verdienste des Jubilars für die Fortentwicklung des Familienrechts zu erinnern und ihm die herzlichsten Glück- und Segenswünsche darzubringen.
 
Gerhard Richter, seit 1955 im Justizdienst des Landes Baden-Württemberg, seit 1970 Ministerialrat und seit 1983 Leitender Ministerialrat im Ministerium der Justiz des Landes Baden-Württemberg, im Ruhestand seit 1.1.1992, hat einen erheblichen Teil seines beruflichen Lebens dem Familienrecht gewidmet. An der Eherechtsreform des Jahres 1976, insbesondere an der Neugestaltung des Unterhaltsrechts, war er maßgebend beteiligt. Aus seiner Feder stammt auch die umfassende Kommentierung der Vorschriften über den Geschiedenenunterhalt im Münchener Kommentar zum BGB, die -nun schon in 3. Auflage- zu den führenden wissenschaftlichen Erläuterungen des Unterhaltsrechts zählt und die Rechtsprechung im Sinne einer ausgewogenen Linie beeinflußt hat. Auch für die FamRZ hat Richter bedeutende Beiträge geliefert; erinnert sei vor allem an die Abhandlung „Soll die gesetzliche Amtspflegschaft abgeschafft werden?“ (FamRZ 1994, 5 ff.) und den Beitrag „Rechtspolitische Erwägungen zur Reform des Unterhaltsrechts nach §§ 1601 ff. BGB“ (FamRZ 1996, 1245)- Arbeiten, die sich mit maßvollem Urteil mitten in die rechtspolitischen Auseinandersetzungen der Zeit gebegen und dem modischen Trend der entfamiliarisierung und Verstaatlichung des Individuums entgegenzuwirken versuchen. Zu nennen ist ferner die Ausgabe und Kommentierung des Baden-Württembergischen Landesgesetzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit (4. Aufl. 1995), die -zusammen mit weiteren Beiträgen- Richter auch als Kenner des Vormundschafts- und Betreuungsrechts ausweist.
 
Schriftleiter, Redaktion und Verlag der FamRZ wünschen Gerhard Richter noch viele Jahre in Gesundheit und Lebensfreude. Möge er dem Familienrecht noch lange mit seinem kritischen Urteil und seiner juristischen Feder zur Verfügung stehen. Die herzlichen Glückwünsche gelten ihm auch im Namen der Wissenschaftlichen Vereinigung für Familienrecht e.V., die seiner Zuwendung und Aktivität in den vergangenen Jahren viel verdankt.
 
Prof. Dr. Dieter Schwab, Regensburg

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