Gewalt

Gewalt: Eine Einführung

 

Stadt Karlsruhe

 

Sozial- und Jugenddezernat

 

 

Information Nr. 21 – 2. Auflage, September 1993

 

 

Herausgegeben von der Stadt Karlsruhe
 

Sozial- und Jugenddezernat
 

-Planungs- und Öffentlichkeitsarbeit-
 

76124 Karlsruhe
 

( 133-5027
 

 

Gewalt an Kindern
 

 
Für alle, die sich beruflich mit Kindern beschäftigen.
 
Was ist Kindesmißhandlung?
 
Kindesmißhandlung ist eine nicht zufällige, bewußte oder unbewußte Schädigung von Kindern. Sie kann als körperliche oder seelische Schädigung geschehen, in Familien oder Institutionen wie in Kindergärten, Schulen, Heimen, Kliniken und anderen. Mißhandlung bedroht oder beeinträchtigt das Wohl und die Rechte eines Kindes. Sie führt zu Verletzungen, Entwicklungshemmungen, bleibenden Schäden oder sogar zum Tod des Kindes. Jede Form von Gewalt an Kindern ist Kindesmißhandlung.
 
Wie kommt es dazu?
 
Auslöser von Kindesmißhandlung sind Konflikt- und Überforderungssituationen, die mehr mit der Persönlichkeit und der Vorgeschichte dessen zu tun haben, der mißhandelt, als mit dem Kind selber. Nur selten ist Mißhandlung eine einmalige Kurzschlußhandlung. Meistens wiederholt sie sich im Rahmen einer alltäglichen Bereitschaft, mit dem Kind gewalttätig umzugehen.
 
I. Beispiele für Kindesmißhandlung
 
Körperliche Mißhandlung
 
Besonders schwer und häufig davon betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Die Folgen von körperlichen Mißhandlungen können von blauen Flecken, Striemen und Hautabschürfungen bis zu mehrfachen Knochenbrüchen und Schädel-Hirnverletzungen reichen und sogar zum Tod des Kindes führen. Säuglinge erleiden durch heftiges Schütteln, Herumschleudern oder dadurch, daß sie auf das Bett geworfen werden, äußerlich nicht erkennbare Hirnblutungen. Weil Erwachsene Kinder zu übersteigerter Sauberkeit „dressieren“ wollen oder weil sie deren kindlichen Bewegungsdrang als störend empfinden, fesseln sie sie oder binden sie an Möbeln fest.
 
Viele Erwachsene halten körperliche Züchtigung noch für eine angemessene Erziehungsmethode, wenn Kinder ihren Erwartungen nicht entsprechen. Dann heißt es: „Eine Tracht Prügel zur rechten Zeit hat noch niemandem geschadet“.
 
Helfen statt strafen
 
Zu den vorwiegend körperlichen Schädigungen von Kindern zählt auch die Vernachlässigung. Dabei werden körperliche und seelische Bedürfnisse der Kinder nicht oder unzureichend befriedigt. Folgen davon sind Beeinträchtigungen von Gesundheit und Entwicklung.
 
Seelische Mißhandlung geschieht -oft im bewußten Verzicht auf Körperstrafen- durch entwürdigende Strafzumessungen, ständig abwertende Verurteilung, Liebesentzug, Verweigerung von Gesprächsbereitschaft, Forderung von absolutem Gehorsam und Dressur, durch Isolierung und Einsperren.
 
Bei der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und Jungen wird das Kind zum Objekt sexueller Befriedigung für den Erwachsenen. Für die Kinder bedeutet dieser Machtmißbrauch lange und tiefgreifende psychische Belastungen und Folgen.
 
II. Welche Kinder haben ein besonders hohes Risiko, mißhandelt zu werden?
 
Kindesmißhandlungen kommen in allen Bevölkerungsschichten vor. Zu Überlastungssituationen, in denen Hilflosigkeit zur Gewalt wird, kommt es leichter,
 

  • wenn Eltern als Kinder selbst mißhandelt wurden,
     
  • bei nicht gewollten Kindern,
     
  • wenn es während Schwangerschaft und Geburt zu größeren Komplikationen kam,
     
  • bei jugendlichen Eltern,
     
  • bei Familien, die stark isoliert und sozial gemieden sind,
     
  • wenn die Eltern in großen persönlichen Nöten stecken wie bei
     
    – unzureichender Anname der Elternrolle,
    – großen Partnerschaftsproblemen,
    – beruflicher Perspektivlosigkeit,
    – Drogen- und Alkoholabhängigkeit.
  • wenn zusätzlich noch materielle Not oder Wohnungsnot besteht.
     

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