Medien-GA: Eine Einführung

 Medien-GA

Osnabrücker Zeitung:

Für Zeugenaussagen sollen strengere Massstäbe gelten

BGH legt Mindestanforderungen fest – Urteil aufgehoben


Karlsruhe, 30.7.

 
 
Wenn Gerichte die Glaubwürdigkeit von Zeugen durch Gutachter überprüfen lassen, müssen sie dabei strenge Mindestanforderungen einhalten.
 
 
Die Sachverständigen müssen bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgehen, dass die Zeugenaussagen unwahr sind, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Freitag in Karlsruhe. Das Urteil gilt als Grundsatzentscheidung vor allem für Prozesse um sexuellen Missbrauch von Kindern (AZ 1 StR 618/98). Eine deutliche Absage erteilte der BGH der mitunter von Kinderschutzvereinigungen vorgenommenen Deutung von Kinderzeichnungen sowie der Verwendung von Puppen, die mit Genitalien ausgestattet sind. Solchen Methoden komme in der aussagepsychologischen Begutachtung keinerlei Bedeutung zu.
Im konkreten Fall hoben die Bundesrichter das Urteil gegen einen Mann auf, der vom Landgericht Ansbach wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in neun Fällen zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Die Ansbacher Richter hatten nach Auffassung des BGH zur Unrecht abgelehnt, die Glaubwürdigkeit der Kindesaussagen durch ein Zweitgutachten erneut zu überprüfen. Dies hatte der Angeklagte unter Berufung auf Fehler im ersten Gutachten gefordert.
 Nach Auffassung des BGH muss das methodische Grundprinzip von Glaubwürdigkeitsgutachten darin bestehen, dass die Aussage so lange als unwahr betrachtet wird, bis dies durch die Fakten widerlegt ist. Im konkreten Fall habe die Gutachterin aber nicht überprüft, ob die Zeugin mögliche Erinnerungslücken einfach durch eigene Einfälle „geschlossen“ habe.
 Nach den Worten des Senatsvorsitzenden Schäfer ist die Bewertung von Kinderaussagen schwierig, weil Kinder ihre Schilderung möglicherweise unbewusst an die vermuteten Erwartungen von Erwachsenen anpassen. Besonders gross ist danach die Gefahr suggestiver, also eine bestimmte Richtung vorgebender, Fragen, die den minderjährigen Zeugen gleichsam zu bestimmten Antworten hinführen.
 

Zur Bewertung der Aussage muss sich der Gutachter bestimmter Kriterien bedienen, die Hinweise darauf geben, ob der Zeuge das Erzählte tatsächlich erlebt hat. Auch darauf, wie die Aussage zustande gekommen ist, muss der Sachverständige achten.
 

 

Süddeutsche Zeitung Nr. 186 – 14./15. August 1999

 

Seriöse Gutachter sind selten

 

Kindesmissbrauch: Wenn Puppen die Wahrheit sagen sollen / SZ vom 31. Juli/1. August
 

Der Bundesgerichtshof bindet Glaubwürdigkeitsgutachten in Prozessen um Kindesmissbrauch an strengere Kriterien.
 

 
Die Aufdeckung von Missbrauchsvorwürfen hat heute chaotische, unsachliche Formen angenommen und erinnert an die Hexenverfolgung im Mittelalter. Jeder will gegen das widerliche Verbrechen angehen und ermitteln, und schon wird die Ermittlung gestört. Anstatt in Aufklärungsbroschüren fachliche Beiträge hochrangiger Experten zu veröffentlichen wie der Professoren Schade, Undeutsch, Steller, Fiedler, Jopt, holt sich das Familienministerium den umstrittenen Aufdeckerverein „Zartbitter“ für seine Aufklärungsbroschüren zur fachlichen Unterstützung.
 

In Anlaufstellen der Kriminalpolizei, aber auch auf deren Internet-Seiten wird auf die Aufdeckervereine „Wildwasser“ und „Zartbitter“ hingewiesen, obwohl diese bei den Wormser Prozessen oder im Montessori-Prozess mit ihren Anschuldigungen total daneben lagen. Hier wurde mit Puppen und suggestivem Befragungsdruck gearbeitet, und die befragten Kinder wurden so lange verrückt gemacht, bis sie auch die Richterin als Täterin erkannten. Im Nordhorner Prozess bastelten Nachbarn einen Galgen und stellten ihn auf, als sie einen Lehrer für verdächtig hielten.
 

In einem Buch der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Titel „Auftrag, Prävention, Offensive gegen sexuellen Missbrauch“ präsentiert sich die Psychotherapeutin nach dem Heilpraktikergesetz Wille Nopens als Expertin, obwohl sie den fachlich anerkannten Familienverband Isuv/VDU mit 7000 Mitgliedern als Pädophilenbewegung bezeichnet hatte und dafür eine Unterlassungserklärung unterschreiben musste. Es sei hier auch an den seinerzeit in Bayern und vor allem im Raum München tätigen Missbrauchsexperten Dr. Jakob erinnert, der laut Spiegel per Ferndiagnose an Hand von Kinderzeichnungen den Missbrauch „feststellte'“. Dies war für den Richter Anlass, ein weiteres teures Gutachten in Auftrag zu geben mit dem Ergebnis: Es hat nie einen Missbrauch gegeben. Nachdem Familien gegen den bei einem evangelischen Beratungsdienst tätigen Mann Strafanzeige erstattet hatten, verschwand er nach England, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern.
 

Ein Nürnberger Arzt brachte einen Familienvater in Verruf, indem er gezeichnete Wattwürmer des malenden Kindes als Penisse in unterschiedlichen Stellungen deutete. Dies aber erst, nachdem der Vater einen Nordseeurlaub mit seiner Tochter verbracht hatte, sich die Ehefrau von ihm trennen wollte und sich einschlägigen Beratungseinrichtungen zuwandte. Besonders der Leuchtturm, den das Kind im Urlaub so faszinierend fand, wurde dem Vater als eindeutiges Missbrauchsindiz ausgelegt. Das Kind lebt heute auf Grund einer Gerichtsentscheidung im Heim, und der unschuldige Vater kämpft um die Entlassung der Tochter. Ein seriöses Gutachten zeigte auch hier: Es gab nie einen Missbrauch.
 

Solange Politiker, Stiftungen, Richter und Ämter diese drittklassigen Aufklärer nicht erkennen und gegen wirklich anerkannte Experten austauschen, wird es weiter zu fatalen, grausamen falschen Anschuldigungen kommen. Grundsätzlich gehört Aufdeckungsarbeit in die Hand der Polizei und hochqualifizierter Psychologen. Dem Bundesgerichtshof sei Dank, dass er hier endlich Klarheit bringt. Herbert Luig, Gütersloh
 

Der Bundesgerichtshof musste einschreiten, um einen wiederholten Rechtsfehler am Landgericht Ansbach für die Zukunft zu verhindern. Bereits im Jahre 1995 hatte das Landgericht Ansbach im „Flachslanden-Komplex“ ebenso wie in dem jetzt vom BGH abgehandelten Ansbacher Fall aus dem Jahre 1998 ein mangelhaftes und damit fehlerhaftes Glaubwürdigkeitsgutachten derselben Gutachterin (Poschenrieder) voll anerkannt und ein Zweitgutachten verhindert. Die Folge war, dass in beiden Fällen Unschuldige öffentlich angeklagt und ihre Existenzen leichtfertig vernichtet wurden.
 

Im „Flachslanden-Komplex“ war die Gutachterin auch nachweislich durch selbstgeführte Befragungen der Kinder an der Entstehung von Falschaussagen beteiligt. Die Staatsanwaltschaft Ansbach verwendete damals das fehlerhafte Glaubwürdigkeitsgutachten auch gegen mindestens eine Person, die zum Abgabetermin des Gutachtens (30. November 1993) noch gar nicht beschuldigt worden war. Bedingt durch Ermittlungsfehler, Ermittlungsunterlassungen und die Verwendung eines fehlerhaften Glaubwürdigkeitsgutachtens hat die Staatsanwaltschaft Ansbach im „Flachslanden-Komplex“ das Ansehen und die Existenz unschuldiger Personen leichtfertig vernichtet. Der Ausgleich für den erlittenen erheblichen psychischen und finanziellen Schaden wird vom bayerischen Staat (Justizministerium) mit allen juristischen Mitteln verzögert. Eine Anfrage an Ministerpräsident Edmund Stoiber vom 14. Dezember 1998), was er zu tun gedenke, um die nachweisbaren Fehler der Ansbacher Justiz und insbesondere der Staatsanwaltschaft Ansbach in Zukunft zu vermeiden, blieben in der Sache ohne Antwort. Dr. Jürgen Peter Maier, Zirndorf
 

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Kindesmissbrauch – Gutachten gestrafft

 

 

Puppen und Zeichnungen werden verbannt
 

Karlsruhe. (dpa). In einem Grundsatzurteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Freitag festgelegt, dass Prozessgutachten über die Glaubwürdigkeit angeblich sexuell missbrauchter Kinder künftig bestimmten, wissenschaftlichen Mindeststandards genügen müssen. Zudem müssen sie transparenter gestaltet und damit besser überprüfbar sein. Unter anderem haben psychologische Sachverständige die Anhaltspunkte offenzulegen, die für oder gegen eine Glaubhaftigkeit der Aussage sprechen (Az: 1 StR 618/98).
 

Mit seiner Entscheidung hob der 1. BGH-Strafsenat ein Urteil des Landgerichts Ansbach vom Juli 1998 auf. Das Landgericht hatte einen 35jährigen wegen neunfachen sexuellen Missbrauchs seiner heute 15jährigen Adoptivtochter zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihre Entscheidung hatten die Richter auch auf das – nach Auffassung des BGH mangelhafte – Gutachten einer Psychologin gestützt. Der Prozess muss nun vor dem Landgericht Ansbach neu verhandelt werden.
 

Nach den Worten des Senatsvorsitzenden Gerhard Schäfer ist die Bewertung von Kinderaussagen schwierig, weil Kinder ihre Schilderung möglicherweise unbewusst an die vermuteten Erwartungen von Erwachsenen anpassen. Besonders gross ist danach die Gefahr suggestiver, also eine bestimmte Richtung vorgebender Fragen, die den minderjährigen Zeugen gleichsam zu bestimmten Antworten hinführen. Von entscheidender Bedeutung sei es deshalb, die Entstehung der Aussage festzuhalten.
 

Eine deutliche Absage erteilte der BGH der mitunter von Kinderschutzvereinigungen vorgenommenen Deutung von Kinderzeichnungen sowie der Verwendung von Puppen, die mit Genitalien ausgestattet sind. Solchen Methoden komme in der aussagepsychologischen Begutachtung keinerlei Bedeutung zu, sagte Schäfer. Ausgangspunkt eines Gutachtens muss nach den Worten Schäfers die hypothetische Annahme sein, die Aussage sei unwahr. Diese Hypothese könne erst dann aufgegeben werden, wenn sie mit den gesammelten Fakten nicht mehr übereinstimme.
 

Wie der BGH vorschrieb, muss der Sachverständige prüfen, ob das Kind nach seinen geistigen Fähigkeiten oder seinen Kenntnissen über Sexualität in der Lage wäre, die Schilderung eines sexuellen Missbrauchs zu erfinden. Psychologische Gutachten spielen in Missbrauchsprozessen eine entscheidende Rolle, weil dort häufig Aussage gegen Aussage steht.
 

 

Info Kinder
 

 
„GO 1 22. 9. 5.0 Liebe auf den ersten Blick und für alle Zeit“ Liebe auf den ersten Blick und für alle Zeit.
 

WER Neugeborene beobachtet wird feststellen, dass sie äusserst wach und gegenüber ihrer Umwelt aufgeschlossen sind“ bemerkte Dr. Carolin McCarton vom medizinischen Institut des Albert Einstein College in New York. „Sie reagieren auf ihre Mutter, sie wenden sich Geräuschen zu; und sie fixieren das Gesicht ihrer Mutter“. Und die Mutter stellt Blickkontakt zu ihrem Kind her. Es ist Liebe auf den ersten Blick – für beide.
 

Diese Mutter-Kind-Bindung entsteht von ganz allein, wenn es eine natürliche Geburt ist, eine Geburt ohne Medikamente, die die Sinne der Mutter und des Kindes betäuben. Sein Geschrei stimuliert bei der Mutter die Milchproduktion. Durch den Hautkontakt zwischen Mutter und Kind wird ein Hormon freigesetzt, das die Nachblutung verringert. Das Kind wird mit Verhaltensmustern geboren, die ihm Zuwendung sichern. Dazu gehören Schreien, Saugen, Plappern, Gurgeln, Lachen und ausgelassenes Strampeln, womit die Aufmerksamkeit der Mutter erregt wird. Zuwendung, in erster Linie von seiten der Mutter, ermöglicht es dem Kind, einen Sinn für Liebe, Fürsorge und Geborgenheit zu entwickeln. Schon bald wird auch der Vater als Bezugsperson wichtig. Sein Verhältnis zum Kind ist zwar nicht so innig wie das der Mutter, doch es erweitert dieses um eine wichtige Facette: Stupsen, Kitzeln und liebevolles Herumspielen, worauf das Kind mit begeistertem Lachen und Strampeln reagiert.
Dr. Richard Restak führt aus, dass für das Neugeborene das Gehalten- und Geherztwerden wie ein Nährstoff ist. „Die Berührung ist für eine normale Entwicklung genauso wichtig wie Nahrung und Sauerstoff. Die Mutter nimmt das Kind in die Arme, drückt es an sich – und eine Unmenge psychobiologischer Prozesse werden harmonisiert“. Bei dieser Behandlung entwickelt sich selbst im Gehirn „eine anderartige Physiognomie der Windungen und Furchen“. Es nicht zu einer Entfremdung kommen lassen
 

Einige sind der Auffassung, dass das Unglück schon vorprogrammiert ist, wenn die Mutter-Kind-Bindung nicht gleich zur Zeit der Geburt hergestellt wird. Doch dem ist nicht so. In den nachfolgenden Wochen bieten sich der liebevollen Mutter Hunderte von Gelegenheiten, eng mit dem Kind zusammenzusein und so die Bindung zu festigen. Werden allerdings solche Gelegenheiten längere Zeit nicht wahrgenommen, so kann das traurige Konsequenzen haben. Dr. Restak sagt dazu: „Wir brauchen einander zwar unser ganzes Leben hindurch, aber im ersten Lebensjahr kommt das besonders zum Tragen. Ein Säugling, dem das Licht vorenthalten wird, die Gelegenheit, ein menschliches Gesicht zu betrachten, oder die Freude, hochgehoben, gedrückt, angesprochen, umsorgt und berührt zu werden, erträgt das auf die Dauer nicht“.
 

 
Säuglinge schreien aus vielen Gründen. Normalerweise verlangen sie nach Aufmerksamkeit. Wenn ihr Schreien nicht beachtet wird, hören sie wahrscheinlich nach einer Weile auf. Sie merken, dass derjenige, der sich normalerweise um sie kümmert, nicht reagiert. Sie fangen wieder an zu schreien. Wenn sich immer noch keine Reaktion zeigt, fühlen sie sich vernachlässigt und unsicher. Sie strengen sich noch mehr an. Wenn das häufig und über eine längere Zeit so geht, fühlen sie sich verlassen. Erst sind sie ärgerlich, ja sogar wütend, doch schliesslich resignieren sie. Es kommt zur Entfremdung. Da sie keine Liebe erhalten, lernen sie auch nicht, Liebe zu geben. Das Gewissen bleibt unterentwickelt. Sie vertrauen keinem und zeigen für niemanden Interesse. Sie werden zu Problemkindern und in extremen Fällen zu psychopathischen Persönlichkeiten, die unfähig sind, in kriminellen Handlungen etwas Verkehrtes zu sehen.
 
Liebe auf den ersten Blick ist nicht alles. Liebe muss fortwährend gezeigt werden, und zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. „Lasst uns lieben, nicht mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit“. (1. Johannes 3:18). Dazu gehören eine Menge Streicheleinheiten und Umarmungen. Schon früh, bevor es dazu zu spät ist, muss das Kind über die Wertmassstäbe der Bibel unterwiesen und dementsprechend erzogen werden. Dann wird auf das Kind das zutreffen, was von Timotheus gesagt werden konnte: „Von frühester Kindheit an (hast du) die heiligen Schriften gekannt…, die dich weise zu machen vermögen“. (2. Timotheus 3:15). Während der ganzen Kindheit und Jugendzeit müssen die Eltern täglich Zeit mit ihren Kindern verbringen. „Es soll sich erweisen, dass diese Worte, die ich dir heute gebiete, auf deinem Herzen sind; und du sollst sie deinem Sohn einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“. (5. Mose 6:6,7).
 
„Wir weinen vielleicht, aber…. es ist zu unserem Besten“
 

Zucht ist für viele ein heikles Thema. Wird die Zucht richtig eingesetzt, ist sie jedoch eine wichtige Ausdrucksform der elterlichen Liebe. Ein kleines Mädchen erkannte das. Sie machte eine Karte für ihre Mutter und adressierte sie „An Mama, an eine liebe Frau“. Die Karte war mit Buntstiftzeichnungen von einer goldenen Sonne, Vögeln und roten Blumen geschmückt und hatte folgenden Text: „Diese Karte ist für Dich, weil wir Dich alle lieben. Wir möchten Dir damit danke sagen. Wenn wir schlechte Noten haben, unterschreibst Du. Wenn wir böse sind, gibst Du uns eine Ohrfeige. Wir weinen vielleicht, aber wir wissen, es ist zu unserem Besten… Alles, was ich sagen will, ist, dass ich Dich ganz doll liebe. Danke für alles, was Du für mich tust. Viele liebe Küsse. (Unterschrift)
 

Michele stimmt mit dem überein, was in Sprüche 13:24 zu lesen ist: „Wer seine Rute zurückhält, hasst seinen Sohn, wer ihn aber liebt, der sucht ihn sicherlich heim mit Züchtigung“. Der Gebrauch der Rute, die für Autorität steht, mag Schläge einschliessen, doch oft auch nicht. Verschiedene Kinder und verschiedene Ungezogenheiten erfordern verschiedene Zuchtmassnahmen. Manchmal genügt eine freundliche Zurechtweisung. Störrigkeit macht es hingegen vielleicht erforderlich, härter durchzugreifen: „Ein Scheltwort dringt tiefer ein bei einem Verständigen als hundert Schläge bei einem Unvernünftigen“. (Sprüche 17:10). Ebenso trifft zu: „Ein Knecht (oder ein Kind) wird sich nicht durch blosse Worte zurechtbringen lassen, denn er versteht, aber er kehrt sich nicht daran“. (Sprüche 29:19)
 

In der Bibel hat das Wort „züchtigen“ die Bedeutung von unterweisen, schulen, strafen – dazu gehören auch Schläge, wenn sie notwendig sind, um ein bestimmtes Verhalten zu korrigieren. Hebräer 12:11 weist auf den Zweck der Zucht hin: „Allerdings scheint jede Züchtigung für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit“. Eltern sollten beim Züchtigen nicht zu streng sein: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden“. (Kolosser 3:21). Noch sollten sie zuviel durchgehen lassen: „Die Rute und Zurechtweisung sind das, was Weisheit gibt; aber ein Knabe, dem freier Lauf gelassen wird, wird seiner Mutter Schande bereiten“. (Sprüche 29:15). Laxheit sagt dem Kind: „Mach, was du willst; stör mich nicht“. Zucht dagegen sagt: „Tu, was richtig ist; ich kümmere mich um dich“.
In dem Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report hiess es dazu richtigerweise: „Bei Eltern, die nicht zu streng sind, aber feste Grenzen stecken und dabei bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder leistungsfähig sind und mit anderen gut auskommen, deutlich grösser“. Der Artikel kam zu dem Schluss: „Das wohl wichtigste Ergebnis aus all den Studien ist, dass ein festes Muster der Liebe, des Vertrauens und annehmbarer Grenzen in jeder Familie das ist, was wirklich zählt, nicht ein Wust technischer Einzelheiten. Der eigentliche Zweck der Zucht…besteht nicht darin, ungehorsame Kinder zu strafen, sondern darin, sie zu lehren, anzuleiten und ihnen zu helfen, innere Stärke zu entwickeln“.
 

 
Sie hören, was man sagt; sie ahmen nach, was man tut
Ein Artikel über Zucht in der Kindheit in der Zeitschrift The Atlantic Monthly begann mit folgender -usserung: „Von einem Kind kann nur dann erwartet werden, sich gut zu benehmen, wenn seine Eltern nach den Massstäben leben, die sie lehren“. Weiter wurde in dem Artikel der Wert innerer Stärke aufgezeigt. „Jugendliche, die sich gut benehmen, haben oftmals Eltern, die verantwortungsbewusst und aufrecht sind und Selbstdisziplin haben – die in Übereinstimmung mit den Werten leben, zu denen sie sich bekennen und nach denen zu leben sie ihre Kinder ermuntern. Wurden solche Jugendlichen im Rahmen einer Untersuchung mit problematischen Jugendlichen zusammengebracht, so wurde ihr Verhalten dadurch nicht dauerhaft beeinträchtigt. Dazu hatten sie die Werte ihrer Eltern zu sehr verinnerlicht“. Sprüche 22:6 erweist sich als wahr, wenn es dort heisst: „Erzieh einen Knaben gemäss dem Weg für ihn; auch wenn er alt wird, wird er nicht davon abweichen“.
 

Eltern, die sich bemühten, ihren Kindern echte Werte zu vermitteln, selbst aber nicht entsprechend handelten, war kein Erfolg beschieden. Ihre Kinder waren nicht in der Lage, diese Werte zu verinnerlichen. “ Was den Unterschied ausmachte“, so das Ergebnis der Untersuchung, „war, wie nahe die Handlungsweise der Eltern den Werten kam, die sie ihren Kindern zu vermitteln suchten“.
 

Es ist so, wie der Schriftsteller James Baldwin sagte: „Kinder sind gegenüber den Älteren noch nie gute Zuhörer gewesen, aber sie haben sie immer nachgeahmt“. Wer sein Kind liebt und ihm echte Werte vermitteln will, sollte die beste Methode von allen benutzen: selbst Beispiel sein für das, was man vermitteln will. Man sollte nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer sein, die Jesus als Heuchler verurteilte: „Alles daher, was sie auch sagen, tut und haltet, aber handelt nicht nach ihren Taten, denn sie sagen es wohl, aber handeln nicht entsprechend“. (Matthäus 23.3). Oder wie diejenigen, die Paulus anklagend fragte: „Du aber, der du einen anderen lehrst, lehrst dich selbst nicht ? Du, der du predigst: „Stiehl nicht, stiehlst du ?“ (Römer 2:21).
Heutzutage tun viele die Bibel als veraltet ab und ihre Richtlinien als impraktikabel. Jesus griff diese Einstellung mit den Worten an: „Dennoch erweist sich die Weisheit durch alle ihre Kinder als gerecht“ (Lukas 7:35). Die folgenden Erfahrungen von Familien aus verschiedenen Ländern zeigen, wie wahr seine Worte sind.
 

Eine enge Bindung zur Mutter hilft dem Kind bei der emotionalen Entwicklung.
 

Auch die Zeit, die der Vater mit dem Kind verbringt, ist entscheidend.
 

 

 
Osnabrücker Zeitung – 31.07.1999
 

 

Notwendiger Schutz
 

von Heiko Schlottke
 

Der „Vorwurf“ des Kindesmissbrauchs ist eine zu schwerwiegende Sache, als dass er selbsternannten Ermittlern oder Hobbypsychologen überlassen werden darf. Das klingt selbstverständlicher, als es ist. Daher kann die Klarstellung des Bundesgerichtshofs nur begrüsst werden, mit der Mindeststandards für Gutachten und Zeugenglaubwürdigkeit festgelegt werden.
 

Ob das Urteil im vorliegenden Fall zur Entlastung des Angeklagten führt, muss sich erst zeigen. Sicher scheint immerhin, dass schwerer Schaden verhindert worden wäre, wenn bereits in früheren Verfahren strengere Massstäbe zugrunde gelegt worden wären.
 

Ein Beispiel ist besonders schrecklich in Erinnerung: der Wormser Missbrauchsprozess. 24 Personen waren angeklagt, belastet durch Kinderaussagen. Nach quälenden Verfahren und langer Untersuchungshaft wurden alle Angeklagten freigesprochen, zum Teil wegen erwiesener Unschuld. Erst nach und nach hatte sich herausgestellt, dass die belastenden Aussagen der Kinder mehr der Phantasie entsprangen, als der Wahrheit entsprachen, herausgelockt durch zweifehafte Befragungsmethoden von Kinderschützern. Auch wenn diese mit den besten Absichten aktiv wurden, die Folgen waren verheerend: Unschuldige gerieten nicht nur in die Mühlen der Justiz, sondern standen auch lange öffentlich am Pranger, nicht verurteilt zwar, aber skandalös vorverurteilt. Solche Fälle dürfen sich nicht wiederholen.
 

Strengere Massstäbe an Zeuge anzulegen heisst nicht, Aussagen von Kindern etwa grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Aber ihre Glaubwürdigkeit muss nachvollziehbar geprüft werden. Der Bundesgerichtshof erschwert die Verfolgung von Kindesmissbrauch nicht, bietet Unschuldigen aber mehr Schutz.

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